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VDI-Expertenforum: Erfolg durch innovative Materialien

Für Unternehmen eröffnen sich jetzt riesige Einsparpotenziale. Wie und wo sie ansetzen können, erläuterten Fachleute auf dem VDI-Expertenforum zum Thema Material- und Energieeffizienz. Die Präsentationen der Experten können Sie sich hier ansehen.

Ressourcen werden immer knapper, die Rohstoff- und Energiepreise steigen immens und der internationale Wettbewerbsdruck nimmt weiter zu“, sagt Dr. Hans-Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Werkstofftechnik, „deshalb ist für Unternehmen die Umsetzung effizienter Technologien und Produktionsprozesse wichtiger denn je“. Denn darin steckt ein immenses Einsparpotenzial. „Im verarbeitenden Gewerbe machen Material- und Energiekosten zirka 43 Prozent der Gesamtkosten aus“,  berichtet Dr. Wolfgang Domröse, Leiter der Deutschen Materialeffizienzagentur (demea) in Berlin.

Welche Möglichkeiten Firmen zur Optimierung der Material- und Energieeffizienz haben und wo sie im eigenen Betrieb am besten ansetzen sollten, zeigten Fachleute aus Industrie, Forschung sowie staatlich geförderten Beratungsagenturen auf dem VDI-Expertenforum „Energie- und materialeffiziente Produktion – Herausforderung und Chance für die deutsche Industrie“ auf.

Die gemeinsam von der   VDI-Gesellschaft Werkstofftechnik und der Deutschen Materialeffizienzagentur durchgeführte Veranstaltung fand am 16. Februar 2007 am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der Technischen Universität Dresden statt.

 


Effiziente Produktion und Ressourcen schonende Produkte steigern die  Wettbewerbsfähigkeitschmidt

Rund 600 Milliarden Euro geben Deutschlands Unternehmen jährlich für Material aus. „Im Durchschnitt können Firmen diesen Kostenblock um 10 bis 15 Prozent  reduzieren“, hat Professor Mario Schmidt, Direktor des Institutes für Angewandte Forschung an der Hochschule Pforzheim, bei einer aktuellen Untersuchung herausgefunden. „in manchen Unternehmen sind sogar bis zu 30 Prozent drin.“

An drei Hebeln können Unternehmen ansetzen: organisatorische Maßnahmen einleiten, technische Maßnahmen an den Prozessen durchführen oder ihre Produkte unter Effizienzgesichtspunkten abändern.
Sein Tipp: „Die für Unternehmen kostengünstigste und schnellste Möglichkeit zu mehr Materialeffizienz bieten organisatorische Veränderungen. Firmen sollten deshalb zunächst versuchen, hier alle Möglichkeiten auszuschöpfen.“

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Ein großes Kostensenkungspotenzial hat Schmidt in einem bislang wenig beachteten Sektor ausgemacht: dem bei der Produktion anfallenden Ausschuss. „Viele Firmen recyceln zwar das Material, indem sie Reste und Abschnitte wieder dem Produktionsprozess zuführen, übersehen dabei aber, dass sie auch für die Herstellung dieser Ausschussteile Hilfsstoffe wie Energie, Lösemittel oder Wasserdampf eingesetzt haben.“

Sein Rat: Mit neuartigen Analysemethoden wie beispielsweise einem Sankey-Diagramm machen Firmen die Kostenströme transparent.

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Mit Leichtigkeit zu mehr Effizienz

hufenbach_neu„Leichtbau ist für viele Firmen eine hervorragende Möglichkeit, Kosten zu senken und ihren Produkten höchste Wettbewerbsfähigkeit durch herausragende Eigenschaften zu verleihen“, berichtet Professor Werner Hufenbach, Direktor des Institutes für Leichtbau und Kunststofftechnik an der Technischen Universität Dresden. Er rät den Entwicklern, sich dabei an der Bionik zu orientieren: „Ein hervorragender Lehrmeister für einen effizienten Leichtbau ist die Natur mit ihrer Adaptionsfähigkeit an äußere Belastungen - mechanisch, thermisch, medial - bei hoher Energie- und Materialeffizienz.“

Hufenbach sieht für den Leichtbau produkt- und branchenübergreifend drei besonders lohnende Ansatzpunkte: bei der Materialauswahl, der virtuellen Produktentwicklung und den Fertigungsprozessen. Mit einem optimalen Mix aus innovativen Verbundwerkstoffen verringern beispielsweise die Premium-Hersteller das Fahrzeuggewicht. pict_hufenbachDie notwendige Steifigkeit erzielen sie durch unterschiedliche Wandstärken in den Blechen (Tailor Rolled Blanks) oder mit Hilfe von Aluminiumprofilen. Durch die Umstellung auf endlosfaserverstärkte Leichtbauwerkstoffe lässt sich etwa in der Fördertechnik das Eigengewicht von Fahrkörben um bis zu 50 Prozent reduzieren. Vorteile: Einfacheres Handling, neue Antriebskonzepte möglich, geringerer Platzbedarf für Maschinenräume. Der Einsatz textilverstärkter Composites bietet ohnehin für viele Bereiche des klassischen Maschinenbaus mit schnell bewegten Komponenten revolutionäre Lösungen. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich für die Bereiche der Bioverfahrenstechnik (Zentrifugen, Sichter, Dekanter etc.) und der erneuerbaren Energien durch technologische Neuentwicklungen mittels intelligenter Verbunde und integrierter Aktuatorik und Sensorik. Dabei empfiehlt Hufenbach Unternehmern Flexibilität. Seine Devise: „Das richtige Material an der richtigen Stelle zum richtigen Preis.“

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Neue Werkstoffe für intelligente Produkte

Dünnschichttechnologie heißt das Zauberwort, mit dem Firmen gleichermaßen innovative Produkte entwickeln und großeleson_neu Materialeinsparungen erzielen. „Unternehmen schützen damit Oberflächen schnell und kostengünstig, verbessern die Wechselwirkung zwischen Grenzflächen oder versehen ihre Produkte mit zusätzlichen Funktionen“, berichtet  Dr. Andreas Leson, stellvertretender Leiter des Fraunhofer Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden.

Eine superharte Kohlenstoffschicht lässt sich beispielsweise mit dem im IWS entwickelten Diamor-Verfahren bei Raumtemperatur auf Werkzeuge und Maschinenkomponenten auftragen. „Damit bekommt selbst Kunststoff eine verschleißfeste Oberfläche“, sagt Leson.

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Die geringe Adhäsion verhindert zudem ein Anhaften bei fehlender Schmierschicht. Erfolgsbeispiel: ein mit Diamor beschichtetes Tiefziehwerkzeug erbringt statt der üblichen 120.000 Hübe die zehnfache Leistung. Einsatzmöglichkeiten für die neue Technik („Nur ein Diamant ist härter.“) sieht Leson zudem überall dort, wo in der Produktion keine Schmiermittel eingesetzt werden dürfen, so etwa in der Lebensmittelindustrie, Pharmazie und Textilherstellung.

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Initiative EnergieEffizienz in Industrie und Gewerbe

pict_boel„Unternehmen, die Material und Energie einsparen, erhöhen damit ihre Innovationseffizienz“, hat Dr. Michael Böl ausgemacht, Bereichsleiter bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin. Mit einer Vielzahl von Beratungsaktivitäten unterstützt die von drei Bundesministerien und der KfW-Bankengruppe getragene Initiative Firmen dabei, Energieeinsparpotenziale zu erkunden und zu nutzen.

Beispiel Druckluft: Bei einer Lebenszyklus-Kostenbetrachtung machen je nach Schichtbetrieb die Energiekosten bis zu 86 Prozent aller Ausgaben aus. „Bei Druckluftanlagen können Firmen zwischen 5 und 50 Prozent der Energie einsparen“, berichtet Böl, „wobei die meisten Effizienzmaßnahmen Amortisationszeiten von weniger als zwei Jahren haben.“ Beispiel Pumpensysteme: „Entscheidend bei der Beurteilung eines Pumpensystems sind der Gesamtwirkungsgrad und die Kostenbetrachtung über einen Anlagenlebenszyklus von 10 Jahren oder länger.“

boelDennoch – so zeigt eine aktuelle dena-Umfrage bei Unternehmen zum Thema Druckluft –  schöpfen Firmen das vorhandene Einsparpotenzial nicht einmal zu einem Drittel aus. Böl rät: „Nicht auf die Optimierung einzelner Komponenten beschränken, sondern immer das gesamte System vom Erzeuger bis zum Verbraucher unter die Lupe nehmen.“

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Verringerung des Materialeinsatzes – Wege zur Nutzung stiller Reserven

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Gute Zeiten für kleine und mittlere Firmen: Im Rahmen des gerade angelaufenen Förderprogramms „VerMat“ können sie jetzt mit Hilfe eines Beraters erkunden, an welchen Stellen und in welchem Umfang in ihrem Betrieb Materialeinsparungen möglich sind. Das Bundeswirtschaftsministerium übernimmt für eine Erstberatung zwei Drittel der Kosten, maximal 10.000 Euro. Eine anschließende Tiefenberatung wird mit einem Drittel der Beratungskosten gefördert. Maximalzuschuss: 99.000 Euro.

domroeseDass Firmen davon immens profitieren, zeigt eine Auswertung von 30 durchgeführten Erstberatungen – 90 Prozent davon in mittelständischen Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitern. „Die Berater haben ein Einsparpotenzial von mehr als einer Million Euro pro Jahr aufgespürt“, berichtet Dr. Wolfgang Domröse, Leiter der Deutschen Materialeffizienzagentur (demea) in Berlin.

Eine Detailanalyse der Untersuchung zeigt zudem: Je kleiner das Unternehmen, umso größer ist das Einsparpotenzial. Domröse rät Firmen, die Chancen zu nutzen: „Nach der Umsetzung ist die Einsparung zudem meist höher als vorher prognostiziert.“

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Ressourceneffizienz in der Praxis – Erfolgsbeispiele aus NRW

jahns„Treibender Faktor zur Umsetzung nachhaltiger Verhaltensweisen ist der wirtschaftliche Vorteil“, sagt Dr. Peter Jahns, Leiter der Effizienz-Agentur NRW in Duisburg. Welchen Nutzen eine Firma durch effizienten Einsatz von Energie und Material hat, also insbesondere Material, aber auch Energie, kann Jahns anhand von 350 Beratungsprojekten, die die Effizienz-Agentur im Laufe von drei Jahren durchgezogen hat, eindrucksvoll belegen: „Damit sparen die Firmen jährlich mehr als 16 Millionen Euro ein.“

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Erfolgsbeispiele: Einem Lebensmittelhersteller bringen Abwasser sparende Technik für die Reinigung von Kisten und Rauchwagen jährlich 137.000 Euro ein.  Ein Hersteller von Dachentwässerungszubehör reduziert durch ein regeneratives Abluftreinigungsverfahren seinen Erdgasverbrauch jährlich um 500.000 Kubikmeter.

 

Welche Ertragskraft in der Optimierung von Stoffströmen steckt, zeigt Jahns anhand einer überzeugenden Rechnung auf: „Bei einer Umsatzrendite von zwei Prozent entspricht eine Reduzierung der Rohstoff- und Bearbeitungskosten um 10.000 Euro einer Umsatzsteigerung von 500.000 Euro.“

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Einsatz von physikalisch und chemisch aktivem Gummipulver als neuer, hochwertiger Rohstoff

Mit einer innovativen Materiallösung hat Ringo Skibbe, Vorstand Deutsche Gumtec AG in Halle, sogar die auf höchste Qualität achtenden Reifenhersteller überzeugt: Er macht ihnen aus ihren Produktionsabfällen wieder vollwertige Materialien. Skibbe                                   
„Bei der Produktion von technischen Gummiformteilen fallen zwischen 15 und 20 Prozent an Abfall an“, berichtet Skibbe, „bei Kautschukpreisen von zum Teil mehr als 30 Euro ist das für die Unternehmen ein gewichtiger Kostenfaktor.“

Über ein so genanntes Expansionsverfahren erzeugt Gumtec aus sortenrein aufgeteilten Abfällen winzig kleine Partikel. „Die Teilchen haben keinen Gummikern mehr, sondern nur noch Oberfläche“, erläutert Ringo Skibbe.
Der Gummistaub lässt sich bei der Fertigung so genannter Compounds problemlos in die Gummimasse untermischen.
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Für sein Recylat sieht Skibbe noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten – wie etwa für einen schwingungs- und schalldämpfenden Beton oder in Hochwasserschutzsystemen. „Wir wollen davon nichts selber produzieren, sondern innovativen Firmen aus diesen Branchen den Rohstoff liefern.“

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Einsatz von Trockenschmierstoffen in der Umformtechnik – Applikation durch Sprühtechnik

Jetzt können Firmen bei der Fertigung von Werkteilen teure Betriebsstoffe einsparen.„Mit einer neuen Technologie lässt sich der Schmierstoff über Düsen exakt an jene Stellen applizieren, an denen eine pict_henseSchmierung wirklich benötigt wird“, erläutert Michael Hense von der J. Wagner GmbH in Markdorf. Und es können nach Bedarf unterschiedliche Materialmengen auf Ober- und Unterseite der Bleche aufgetragen werden.

 

Basis für die Material sparende Technik  ist ein so genannter Trockenschmierstoff. Hense: „Die Viskosität beeinflussen wir durch die Erwärmung des Materials am Düsenkopf.“  Die Einsatzbereiche sind vielfältig: „Selbst bei geometrisch aufwendig geformten Produkten können wir den Schmierstoff gezielt positionieren.“

Die Vorteile:  weniger Schmierstoffbedarf, die Maschinen bleiben sauber, weniger Nachbearbeitung der gefertigten Teile. "Verschleppung von Öl in Transportbehältern gehören der Vergangenheit an", berichtet Michael Hense, „heute merkt man gar nicht, dass irgendetwas auf der Oberfläche ist.“

Wie groß der wirtschaftliche Nutzen ist, sehen Firmen besonders dann, wenn sie die gesamte Prozesskette betrachten. Hense: „In der Reinigungsanlage lassen sich vor dem Lackieren oder Schweißen erhebliche Einsparungen in der Kontamination des Waschwassers ermitteln.“


Rohstoff- und Materialeffizienz

Materialkosten stellen im Produzierenden Gewerbe mit ca. 42,9% noch vor den Personalkosten (20,5%) den mit Abstand größten Kostenblock dar.

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Förderung: go-effizient

Mit dem Modul Rohstoff- und Materialeffizienz werden kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) durch externe Beratung unterstützt, ihren Rohstoff- und Materialeinsatz zu verringern.

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Qualitätsbarometer

Die Resonanz und Zufriedenheit der Unternehmerinnen und Unternehmer werden nach Abschluss der Beratungsprojekte über einen Fragebogen ermittelt.

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Selbstcheck

Der Materialeffizienz-Selbstcheck mit seinen 13 Fragen bietet den Unternehmen einen schnellen und zuverlässigen Einstieg in das Thema Materialeffizienz.

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